Ein Zahn besteht aus sichtbarer Zahnkrone und einer oder mehrerer Wurzeln. Der gesunde Zahn weist im Inneren den "Zahnnerv" auf.
Wird der Zahnnerv durch Kariesbakterien angegriffen, kann er erkranken und absterben. Die nächste Phase der Entzündung ist die Kieferknochenentzündung, die über die Bakterienvermehrung und die danach aus der Wurzelspitze ausgetretenen Bakterien hervorgerufen wurde.
Ihre Wurzelbehandlung umfasst die Entfernung der Bakterien und Gewebsreste aus dem Kanalsystem sowie allen Verästelungen, und dem anschließenden bakteriendichten Verschluss des gereinigten Hohlraums.
Der Fachbegriff für Wurzelbehandlung ist übrigens "Endodontie" und hat seinen Ursprung im Griechischen; Endo bedeutet "das Innere", Odont steht für "Zahn".
Eine entscheidende Innovation in der modernen Endodontie ist das Operationsmikroskop. Zur besseren Vorstellung der Größenverhältnisse: Ein oberer Backenzahn z.B. hat normalerweise vier knapp 20 mm lange Hauptkanäle, die nicht selten einen Durchmesser unter 0,15 mm haben.
Bei diesen schwierigen anatomischen Verhältnissen werden nur unter optimaler Sicht, Ausleuchtung und Vergrößerung alle Zugänge (manchmal auch fünf oder mehr) sicher gefunden. Erst dann kann das System der Wurzelkanäle vollständig desinfiziert werden.
Der erkrankte und bakteriell infizierte Zahn wird - nach erfolgter Isolierung durch ein Spanngummi (Kofferdam) - geöffnet. Im ersten Schritt wird die Pulpenhöhle, das Innere, eröffnet, um dann mit Hilfe des Operationsmikroskops alle Wurzelkanaleingänge darzustellen und zu erweitern. Auf diese Art und Weise können auch kleinste Nebenkanäle, die ohne optische Unterstützung nicht zu identifizieren sind, erreicht werden.
Zur Reinigung und Desinfizierung des Zahnkanalsystems kommen hand- und maschinengetriebende Instrumente zum Einsatz, die die Wurzelkanäle bis zur Wurzelspitze aufbereiten. Das Zahninnere wird chemomechanisch gereinigt und desinfiziert. Dazu werden stark desinfizierende und gewebeauflösende Substanzen in das Wurzelkanalsystem eingebracht. So können ebenso die vielen kleinen Nebenkanäle gereinigt werden.
Wenn nötig, werden die Kanäle abschließend mit einer medikamentösen Einlage für einige Tage bis Wochen versorgt; ein zweiter Termin beendet die Behandlung. Der abschließende Behandlungstermin besteht aus der kompletten Füllung des Wurzelkanalsystems und dem festen Verschluss des Zahns, der thermoplastischen Obturation. Das in die Kanalsysteme erwärmt eingebrachte Wurzelfüllmaterial lässt sich den Hohlräumen sehr präzise anpassen. Dieser Eingriff ist heutzutage völlig schmerzlos durch Anwendung modernster Behandlungsmethoden und Anästhetika.
Anschließend heilt die Entzündung um die Wurzelspitze herum aus und ein gesunder Knochen wird wieder gebildet.
Ausschlaggebend dafür ist der erhebliche technische und zeitliche Aufwand, der für diese Zahnrettungsmaßnahme nötig ist. Die erforderliche Behandlung kann von einem auf Endodontie spezialisierten Zahnarzt mit der bestmöglichen Prognose vorgenommen werden - gerade bei besonders schwierigen Fällen.
Übrigens: In den USA und der Schweiz gibt es den Fachzahnarzt für Endodontie (Wurzelbehandlung) schon seit vielen Jahre und eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Fachzahnärzten ist dort schon selbstverständlich.
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